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Bade- und Verkehrsverein Carolinensiel e.V.

Geschichte

... der Entstehung von Carolinensiel

Man muss wohl weit ausholen und etwas in der Geschichte dieser Küstenregion kramen, um der besonderen Stellung unseres Sielhafenortes seit seiner Gründung im Jahre 1730 gerecht zu werden.
Das Harlingerland, benannt nach dem, im Brockzeteler Moor, entspringenden Fluss "Harle", ist geprägt von dem wechselvollen Kampf seiner Bewohner mit dem "Blanken Hans", der sich fast ein Jahrhundert zurückverfolgen lässt.
Nach den Chronologen besaß die Harlebucht bereits im 11. und 12 Jahrhundert ein größeres Ausmaß; spätere schwere Sturmfluten "fraßen" sich noch weiter ins Land hinein und vollendeten ihr Zerstörungswerk schließlich mit einem Durchbruch zwischen Wittmund und Jever. Waren die Friesen bis ins späte Mittelalter hinein nur auf bloße Landsicherung bedacht, so gingen sie etwa ab 1500 zur aktiven Landgewinnung über. Zwar machte auch künftig manchmal eine einzige Sturmflut die Mühen jahrelanger harter Deichbauarbeit zunichte, waren immer wieder Verluste an Menschen, Vieh und Land zu beklagen, doch mit Zähigkeit und eisernem Willen verwies man schließlich die Naturgewalten in ihre Schranken.
Dank neuer Sielbautechnik und durch den Bau immer neuer und größerer Deiche gelang es, die Harlebucht in Etappen zurückzugewinnen und die Groden sturmflutsicher zu machen.

Nach der Gründung von Altfunnixsiel (Mitte des 16. Jahrh.) und Neufunnixsiel (1658), war dann (1729), nach erfolgter Eindeichung des Carolinengrodens, der Bau Carolinensiels ein weiterer Meilenstein.

Der Name Carolinensiel entstand von dem Fürsten Georg Albrecht, der Carolinensiel nach dem Namen seiner Gemahlin Caroline benannte.
Die Einweihung Carolinensiels soll übrigens folgendermaßen vonstatten gegangen sein:
Die Küstenbewohner und Gäste sollen sich zu einem Gottesdienst mit dem Pastor aus Funnix auf der trockenen Sohle des Hafenbeckens versammelt haben. Nach Beendigung trat die Gemeinde auf die Hafenkante, die Sieltore wurden geöffnet und das Harlewasser floss in die offene See.

Während der Carolinengroden noch im selben Jahr aufgemessen und vorwiegend in mehrere größere landwirtschaftliche Domänenbetriebe geteilt wurde, sparte man die Flächen unmittelbar am Sielhafen für besondere Planungen aus. Bevor nun die Regierung des Fürsten Georg Albrecht in Aurich die Besiedelung des neuen Sielortes ausschrieb, ließ er sich durch Drost, Christian Wilhelm von Münnich, einen für damalige Zeiten äußerst detaillierten Bericht über die funktionelle Struktur und künftige Bebauung ausarbeiten.
Danach wurde der Ort in den Zeitungen (Januar / Februar 1730) folgendermaßen ausgeschrieben:

Nach dem Ihre Hochfürst Durchlaucht zu Ostfriesland in Dero Herrschaft Wittmund im vorigen Jahre einen neuen mit bequemen aus- und inwendigen Haven versehenen Syhl angelegt haben, und gnädigst intentionieret sind, denenjenigen, die daselbst sich häuslich niederzulassen, Schiffahrt und Handlung, auch allerhand Nahrung zu treiben Lust haben, nicht nur bequeme Wohnplätze anweisen zu laßen, und bey jeden, nach Belieben der Annehmer, gewiße Stücke vom neu eingedeichten Groden zu Gärten, Viehzucht und Ackerbau in Erbpacht zu verleihen, sondern auch solchen neuen Einwohnern auf zehen Jahre Freyheit von allen bürgerlichen Lasten zu erteilen.

Schon im März 1730 werden 23 Wohnstätten, je 200qm Erbpacht ausgegeben.

Es ist die Geburtsstunde Carolinensiels!

Wer waren nun die ersten Einwohner? Wo kamen sie her und was veranlasste sie, hier an der Frontlinie eine bessere Zukunft zu suchen? Nun, es mag etwas ernüchtert klingen, dass sich trotz der Publikationen in den großen nordwestdeutschen und niederländischen Zeitungen nur Leute aus der näheren Umgebung meldeten. Sie stammten vorwiegend aus den von der See abgedrängten Sielhäfen wie Neufunnixsiel, Altfunnixsiel, Altharlingersiel und aus anderen Orten des Harlingerlandes, wo sie keine ausreichende Existenz mehr fanden. Schon die berufliche Zusammensetzung dieser Ureinwohner ließ die künftige wirtschaftliche Struktur des neuen Ortes erahnen: Es waren Schiffer und Fischer, dazu kamen Kaufmannssöhne, Krämer, ein Deich- und Sielrichter, ein Hafenmeister, ein Brauer, ein Bäcker, Handwerker sowie mehrere Warfsleute und bessergestellte Arbeiter. Die Bebauung des Ortskernes rund um den Hafen ging schnell voran, wobei sich die Baulustigen getreu den obrigkeitlichen Vorschriften bemühten - ein gutes von Steinen und Pfannen egal, gebautes Haus am Siel in diesem oder künftigen Jahr - zu errichten. Großer Wert wurde auf die symmetrisch- schematische Gestaltung des Ortskernes gelegt, die beiden Seiten des Ortskernes sollten einander wie Spiegelbilder gleichen! Durch die strengen Bauvorschriften, wurden die Häuser recht kostspielig, mit der Folge, dass diese bevorzugten Bauplätze am Hafen den gutsituierten Kaufleuten und Kapitänen vorbehalten blieben. - Das starke Wachstum Carolinensiels, in den folgenden Jahrzehnten über den Ortskern hinaus, ließ sich nicht mehr so exakt reglementieren.
In wenigen Jahrzehnten wuchs Carolinensiel zum zweitwichtigsten Hafen, nach Emden, heran!
Es gibt wohl mehrere Gründe hierfür, die alle zusammen zu dem damaligen "Cliner Wirtschaftswunder" führten, und mit denen, etlichen anderen, viel älteren Küstenorten der Rang abgelaufen wurde.

Da war einmal das besondere Wohlwollen des Fürsten Georg Albrecht für sein Lieblingskind, welches durch verschiedene Privilegien für die Ansiedler und durch den für derzeitige Verhältnisse großzügigen Ausbau des Hafens zum Ausdruck kam.

Der Hafen galt als geräumig und sicher, selbst größere Seeschiffe konnten ihn anlaufen.

Die günstige Lage des Sielortes ist ein weiterer Grund: Die Harle war bis zu zwei Meilen landeinwärts schiffbar, wodurch sich Carolinensiel infolge der katastrophalen Landverbindungen geradezu als Umschlagsplatz der eingeführten Versorgungsgüter für die Ortschaften der Marsch und der Geestrandstädte anbot. Umgekehrt sammelten sich hier die überschüssigen landwirtschaftlichen Produkte und Erzeugnisse wie Getreide, Raps, Bohnen, Käse und Butter des fruchtbaren Marschenlandes, die auf dem Seeweg nach Holland, England und zu den Hansestädten gingen.

Trotz dieser günstigen Voraussetzungen muss man in erster Linie die Menschen hier als Wegbereiter des Aufstiegs hervorheben. Wir dürfen sie getrost die Pioniere Carolinensiels nennen, jene ersten Ansiedler, die voller Hoffnung in ein Niemandsland kamen. Wohl bewusst, dass hier nicht das Paradies auf sie wartete, sondern harte und ausdauernde Arbeit. Es waren Friesen von echtem Schrot und Korn, denen seit Generationen der Kampf mit den Naturgewalten bereits in die Wiege gelegt wurde. Sie nutzten die sich hier bietende Chance und setzten mit Fleiß, Wagemut und friesischer Beharrlichkeit den Grundstein für den Aufschwung.

1765 wurde dann unter "Friedrich dem Großen" die Friedrichsschleuse erbaut.
Warum "Schleuse" und nicht "Siel"? Eine gute Frage, denn vorher wurden nach der etappenweisen Rückgewinnung der Harlebucht stets Siele mit eigenem Hafen errichtet, welche, die jeweils landeinwärts liegenden Orte von der Küste abdrängen und damit weitgehend ihrer Funktion beraubten.
Dieses Schicksal drohte auch dem jungen, aufstrebenden Hafen Carolinensiel. Die Kaufleute und Schiffer machten jedoch ihren ungewöhnlich großen Einfluss geltend und erreichten schließlich, dass in Friedrichsschleuse ein offenes Siel gebaut wurde, das die Durchfahrt von Seeschiffen mit Masten und Aufbauten erlaubte. Die Carolinensieler konnten hiermit ganz nebenbei noch einen weiteren Vorteil gegenüber den anderen Hafenorten verbuchen: Ihr Hafen war künftig vor Sturmfluten und Hochwasser absolut gesichert.
Die Friedrichsschleuse wurde mit einer hölzernen Zugbrücke ausgestattet.
Die kleine Siedlung an der Schleuse erlangte nie die Bedeutung und Größe anderer Sielorte, sie blieb stets ein Ausleger Carolinensiels. Außer einem Hotel (früher Fischerkneipe) einem Krämerladen, der Hafenmeisterei und Granatdarren gab es nur die Fischerhäuser.
Wie der Chronist vermeldet, übte man hier an der Küste die Fischerei in früheren Zeiten unter primitiven Verhältnissen, vorwiegend als Nebenerwerb aus. Der Niedergang der Seeschiffahrt zwang dann manchen Schiffer, in der Fischerei eine neue Existenzmöglichkeit zu suchen. Die Hoffnung, in der Hochseefischerei mit Segelloggern ausreichendes Einkommen zu finden, ging nicht in Erfüllung, so dass als letzter Ausweg der Krabbenfang an der Küste verblieb. Aber auch diese Art der Fischerei mit Schaluppen erwies sich als wenig rentabel. Erst nach der Umrüstung auf Motorboote, nach der letzten Jahrhundertwende, zeichneten sich bessere Bedingungen ab.

Der Hafen von Friedrichsschleuse verlor seine Funktion, als 1956 das Harlesiel fertiggestellt war und die Fischerflotte dort neue Liegeplätze erhielt, und die meisten Fischerfamilien später in die neue Siedlung überwechselten. Den Anstoß für diese Maßnahme gab die große Sturmflut 1953, als die alte Schleuse mit ihrer Zugbrücke arg in Mitleidenschaft gezogen wurde und das Hinterland nur noch so eben einer Flutkatastrophe entkam. Vor allem die damaligen großen Verluste und Schäden in Holland rüttelten Staat und Verbände wach und man entschloss sich zu verstärkten, aus den neuesten Erkenntnissen resultierenden Sicherungsvorkehrungen an der gesamten Küste.
In dreijähriger Bauzeit wurde das neue Harlesiel, das vorerst letzte Bollwerk gegen das Meer, förmlich aus dem Wasser gestampft. Dort, wo bis dahin nur primitive Umschlagsanlagen für den Schiffsverkehr zu den Inseln bestanden, welche man nur auf den Schienen der DB erreichen konnte, entstanden in großzügiger Bauweise Siel und Schöpfwerk, Hafenbecken mit Kajen für den Personen- und Gütertransport sowie für den Fischereibetrieb. Weiter wurden ein großes Binnentief-Sammelbecken und schließlich auch Parkplätze und Garagenanlagen geschaffen. Die Bundesbahn baute ein komplettes Bahnhofsgebäude für ihren Umschlag nach Wangerooge. Die Route Harle-Wangerooge und zurück ist übrigens die einzige Verbindung in der Bundesrepublik, auf der sich die Bundesbahn mit eigenen Bäderdampfern aufs Wasser begibt.
Bahnhof und Gleisanlagen der Insel gehören ebenfalls der Bundesbahn.
Die Fertigstellung des Gesamtkonzepts Harlesiel muss als Beginn einer neuen Epoche in der Entwicklung Carolinensiels festgehalten werden. Weitblickende Frauen und Männer des Sielhafenortes erkannten die Chancen, die sich hier draußen für den Fremdenverkehr boten. Anfangs von vielen belächelt, wagten sie den Sprung ins "Niemandsland". Sie gründeten zunächst einmal einen Bade- und Verkehrsverein. Sollte diesem Bemühen dasselbe Schicksal zuteil werden, wie das um die Jahrhundertwende, als die ersten Versuche nicht den gewünschten Erfolg hatten?
Nein, diesmal wurden selbst optimistische Prognosen noch übertroffen.
In enger Zusammenarbeit mit der damaligen Gemeinde Carolinensiel und mit Unterstützung der Behörden gelang es in wenigen Jahren, Carolinensiel- Harlesiel zu einem bedeutenden Küstenbadeort auszubauen. Zahlreiche Privatpensionen, Hotels und Gaststätten stellten sich schnell auf die Erfordernisse des Fremdenverkehrs ein und profitierten in zunehmendem Maße neben Handel, Handwerk und Gewerbe von der "weißen Industrie".
Ab 1964 wurden alle Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung übertragen, da die immense Arbeit nicht mehr ehrenamtlich vom Bade- und Verkehrsverein wahrgenommen werden konnte. Später gründete man die Harlesiel GmbH mit hauptamtlichem Geschäftsführer und einem Aufsichtsrat, in dem die Ratsherren der nachfolgenden Gemeinde Harlesiel zwar die Majorität besaßen, die Fremdenverkehrsvereine Carolinensiel und Funnixer-Siele, jedoch mit Sitz und Stimme an allen Entscheidungen teilhatten. Nach der Gemeindereform hat die Stadt Wittmund diese bewährte Einrichtung übernommen. Im Jahr 2001 wurde die Harlesiel GmbH mit der Freizeit GmbH Wittmund zusammengelegt. Der Bürgermeister von Wittmund hat mit dieser Fusion dafür gesorgt, dass der Bade- und Verkehrsverein und der Fremdenverkehrsverein Funnixersiele aus dem Aufsichtsrat ausgeschlossen worden sind. D.h.: Die Vereine werden zwar noch zu den Aufsichtratssitzungen geladen, dürfen aber nicht mehr mitstimmen, sondern haben nur noch ein Mitspracherecht.

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